Im Laufe des ersten Drittels des 20. Jahrhunderts wächst die Bevölkerung Málagas. Dies ist eine unbestrittene Tatsache, zu der man einige Anmerkungen machen muss: Der demografische Wachstumsindex Málagas ist niedriger als der von Spanien, und der Wachstumsindex der Provinzhauptstadt ist höher als der der Provinz.
Was die Wirtschaft betrifft, so ist dies eine Etappe der Neugestaltung, und dies führte schließlich zu einer Stärkung und einer gewissen Expansion und Verbesserung der Landwirtschaft, die sich als vorherrschender Sektor konsolidiert, zu einem fortschreitenden Abbau von Industrien und zu einer fluktuierenden Entwicklung des Handels.
All dies spielt sich innerhalb einer rückständigen und spärlich alphabetisierten Gesellschaft ab, in der eine kleine Oligarchie die vorherrschende Rolle bei der Ausübung der wirtschaftlichen und politischen Macht innehat.
DIE DEPRESSION IN MÁLAGA VON ANFANG DES 20. JAHRHUNDERTS (1900-1914)
Die Depression, mit der die Geschichte Málagas des 19. Jahrhunderts endet, setzt sich auch in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts fort. Als das neue Jahrhundert anbricht, herrscht in Andalusien der caciquismo vor; die monarchistischen Parteien, die gerade an der Reihe sind, kontrollieren das politische Leben, und die wirtschaftliche Rezession setzt sich fort. In Málaga herrschen in jeder Hinsicht diese Bedingungen.
Wirtschaftliche Depression, soziale Konflikte und politische Herrschaft machen es möglich, dass auch in Málaga die Oligarchie und der caciquismo zu den Merkmalen der Rückständigkeit werden, mit der die Provinz ins neue Jahrhundert eintritt. Vor diesem kritischen Hintergrund stärken der kleinbürgerliche Republikanismus und die Arbeiterbewegung ihre Position, insbesondere in der Provinzhauptstadt.
Anfang des Jahrhunderts kommt es in Málaga zu bedeutenden Veränderungen, wie der Inbetriebnahme der Straßenbahn in der Stadt und des Wasserkraftwerks in El Chorro, das Málaga mit Strom versorgt.
Der Handel in der Stadt erreicht zwar ein nicht unbeachtliches Volumen, besitzt aber lange nicht mehr jenen Glanz, der ihn noch Ende des 18. und fast das gesamte 19. Jahrhundert über ausgezeichnet hatte. Anfang des 20. Jahrhunderts ist das Grundschulwesen – das Sekundarschulwesen ist unbedeutend und das Hochschulwesen existiert nicht in Málaga – von Defiziten geprägt: es fehlen Schulgebäude, Stellen und Lehrer.
MÁLAGA WÄHREND DES ERSTEN WELTKRIEGS (1914-1918). DIE KRISE VON 1917
Die spanische Neutralität während des "Großen Krieges" bewirkte eine kurze Phase der wirtschaftlichen Erholung, doch gleichzeitig verschärften sich die sozialen Konflikte, und es brach eine Krise von revolutionärem Ausmaß aus. So war es allgemein gesehen in Spanien, und so war es auch konkret gesehen in Málaga.
Die Emigration aus Málaga ging wegen der schwierigen äußeren Bedingungen zurück, und andererseits stieg die Immigration. Die Krise von 1917 erlebte man in Málaga genau wie im übrigen Spanien, doch mit Besonderheiten wie der Schaffung von Komitees für Zivilverteidigung.
DIE KRISE DER NACHKRIEGSZEIT IN MÁLAGA (1919-1923)
Während des Krieges sorgte die große Nachfrage der am Krieg beteiligten Länder für eine Erhöhung der Preise, die von Lohnerhöhungen gefolgt wurde.
In der Nachkriegszeit bewirkte der Einbruch der Auslandsnachfrage eine Depression in der Landwirtschaft, in der Industrie und im Handel. Es stellt sich so eine kritische Konjunkturlage ein, in der Märkte verloren gehen, protektionistische Maßnahmen gefordert werden und sich die Spannung zwischen Preisen und Löhnen verschärft. Die Arbeitgeber sehen die Lösung darin, die Produktionskosten zu reduzieren, indem sie die Tageslöhne senken oder die Arbeitszeit erhöhen; die Arbeiter widersetzen sich diesen Plänen unter dem Motto: "Nicht einen Céntimo weniger, nicht eine Minute mehr". Dies ist der Schlüssel, der die Krise und die Erschütterungen der Nachkriegszeit in Málaga erklärt.
Im Frühjahr 1918 brach in Spanien eine Grippeepidemie aus, die Málaga in der ersten Juniwoche erreichte und vor allem in den unteren Klassen wütete. Ab 1918 erreichten die soziale Konflikte ihren Höhepunkt. Von diesem Jahr an, und bis 1922-1923, setzt eine Phase der Streiks und der Agitation in der Stadt Málaga und im bäuerlichen Umfeld ein. Die Zeit von 1918-1920, "das bolschewistische Triennium" genannt, ist eine höchst konfliktreiche Phase für die andalusische Arbeiterbewegung und eine Zeit der Neuorganisation für die Bewohner Málagas.
Der Sozialismus, der ab 1909 in Málaga Wurzeln schlägt, gewinnt an Bedeutung. Und auch der Anarchismus findet starken Anklang, vor allem in der Provinzhauptstadt. Im Jahre 1919 war Málaga neben Sevilla die andalusische Provinz mit der größten Verbreitung der Gewerkschaft CNT, und die Stadt war die Provinzhauptstadt in Andalusien mit den meisten Mitgliedern. Bei den allgemeinen Wahlen vom Juni 1919 wird allerdings die Krise des Republikanismus in Málaga deutlich.
MÁLAGA WÄHREND DER DIKTATUR VON PRIMO DE RIVERA (1923-30)
Am 13. September 1923 unternimmt General Miguel Primo de Rivera, damals Oberbefehlshaber von Katalonien, einen Staatsstreich. So begann die Diktatur, die sich bis zu seinem Abtritt am 20. Januar 1930 hinzog. Sie entstand unter Berufung auf "Reformen" und griff die "alte Politik" an.
Rivera versuchte die wirtschaftliche Lage des Landes zu sanieren, indem er die Industrialisierung förderte, einiges in der Landwirtschaft verbesserte, den Außenhandel vorantrieb und ein umfassendes Programm von öffentlichen Baumaßnahmen ins Leben rief. Dies alles im Schutz der günstigen Konjunktur der "glücklichen 20er Jahre". Am Ende zerstörte der Crash von 1929, der im Ausland ausbrach, das wirtschaftliche Gleichgewicht, und im Inland begannen wieder die alten Übel der spanischen Politik und Wirtschaft zutage zu treten.
Die Bevölkerungsentwicklung in Málaga schwächt sich in dieser Zeit wegen der beträchtlichen Emigration ab. Es werden öffentliche Baumaßnahmen durchgeführt, wie die Errichtung der Ciudad Jardín, des Stausees von El Chorro und weitere stadtplanerische Maßnahmen. In Málaga gab es Ende der zwanziger Jahre, neben der Zersplitterung der alten monarchistischen Parteien, offensichtlich eine gewisse Neugruppierung der Republikaner und eine Stärkung der linken Arbeiterschaft. Was die Kultur betrifft, so entsteht in Málaga in einer Situation der fehlenden Freiheiten und des niedrigen kulturellen Niveaus kurioserweise eine Bewegung von großer intellektueller Brillanz, die einen entscheidenden Einfluss auf die gesamte spätere kreative Entwicklung haben sollte.
MÁLAGA ZWISCHEN DIKTATUR UND REPUBLIK (1930-1931)
Die kurze Periode, die von Anfang des Jahres 1930 bis zum 14. April 1931 reicht, ist durch eine Reihe von Geschehnissen gekennzeichnet, die schließlich in dem Fall der Monarchie münden. In Málaga erleben die republikanischen Gruppen eine Etappe des Zusammenflusses, der Neuorganisation und der intensiven Aktivität im Kontakt mit den Sozialisten. Auf der anderen Seite mobilisieren sich die CNT (anarchistische Gewerkschaft, die eine große Verbreitung in der Provinz besaß) und die PCE (kommunistische Partei) durch die die sozialen Kämpfe, die aus den katastrophalen Lebensbedingungen hervorgegangen waren, unter der die Klasse der Arbeiter und Tagelöhner jener Epoche zu leiden hatte, und dies drückte sich in zahlreichen Streiks aus.
Der Weg zu den Wahlen im April sollte nicht leicht werden, da die monarchistischen Familien Málagas starke Divergenzen zeigten, welche die Bildung von gemeinsamen Kandidaturen erschwerten.
Blas Infante und Málaga
Blas Infante stammte aus Casares in der Provinz Málaga und fühlte sich vor allem als Andalusier, der dazu berufen war, den engstirnigen "provinziellen" Geist zu Gunsten der Einführung eines umfassenden "andalusischen Bewusstseins" aufzugeben. Doch seine Beziehung zu Málaga bleibt eine Konstante im Laufe seines Lebens.
Im Januar 1918 wird Ronda erneut zum bedeutenden Schauplatz des historischen Prozesses des andalucismo (andalusischer Regionalismus), da hier erste andalusische Regionalversammlung zusammenkommt. Nach dem Scheitern der andalucistas bei den Wahlen im November 1933 beginnt ein "inneres Exil" von Blas Infante, das erst durch den Triumph der Frente Popular (Volksfront) im Februar 1936 ein Ende findet
DIE ZWEITE REPUBLIK IN MÁLAGA
DAS REPUBLIKANISCH-SOZIALISTISCHE BIENNIUM (1931-1933)
Durch die Ereignisse von 1930 und Anfang 1931 war der republikanischen Erfolg bei den Gemeindewahlen vom 12. April vorauszusehen.
So kommt es denn auch, und dies hat die Ausrufung der Republik zur Folge. Nun beginnt sowohl für Málaga als auch für Spanien eine komplexe historische Etappe, geprägt von politischen Spannungen und Schwankungen, vor dem Hintergrund einer wirtschaftlichen und sozialen Krise, die schließlich zum Bürgerkrieg führt.
DAS "BIENIO RADICAL-CEDISTA" UND DIE FRENTE POPULAR (1934-1936)
Die Wahlen vom November 1933, mit dem Triumph der Rechten, leiten das so genannte bienio radical-cedista ein, das eine konservative Wende in der spanischen Politik bedeutete. Von einer Republik der reformistischen Kleinbürger ging man nun zu einer neuen Verbindung von Bürgern und der Oligarchie über, die besorgt über die sozialen und politischen Fortschritte der vorangehenden Periode waren, eine Tendenz, die durch die Frente Popular im Februar 1936 mit der Errichtung einer Republik der radikalisierten Linken, in der der Wandlungsprozess beschleunigt wird, ins Gegenteil umgekehrt wurde.
Der Ausbruch des Bürgerkrieges setzt der zweiten republikanischen Erfahrung in Spanien ein Ende. Die wirtschaftliche Konjunktur ist durch die Depression und durch soziale Konflikte gekennzeichnet.
DER BÜRGERKRIEG UND DIE REPRESSION IN MÁLAGA. (1936-1939)
In Málaga stehen sich die Rechten und die Linken nach dem Sieg der Frente Popular auf der Straße gegenüber. Cenetistas (Mitglieder der Gewerkschaft CNT) und Falangisten sind vielleicht die aktivsten Gruppen während dieser Gewaltspirale, die dem Bürgerkrieg vorausgeht.
Danach sollten Krieg und Repression die Hauptmerkmale dieses dramatischen Abschnitts der Geschichte Málagas sein. Die Offensive gegen Málaga wurde angeführt von General Queipo de Llano, unter dem direkten Befehl des Herzogs von Sevilla.
MÁLAGA VON DER AUTARKIE BIS ZUM BEGINN DES FORTSCHRITTS. (1940-1960)
Der Bürgerkrieg hinterließ eine verarmte, hungernde und zerbrochene Gesellschaft. Es beginnt der mühsame Weg des Wiederaufbaus, in einem Land, das durch die Auseinandersetzungen verwüstet worden war. Nun verfestigt sich eine Politik der wirtschaftlichen Autarkie, die schließlich an einen unerträglichen Punkt gelangt und aufgegeben werden muss, um der Befreiung Platz zu machen.
All dies unter einem autoritären und paternalistischen – sicherlich diktatorischen – politischen Regime, mit einer Einheitspartei, faktischen Gewalten, Schwarzhandel und Spekulation, ohne Freiheiten jeglicher Art. In diesem Umfeld beginnt in Málaga ein schwieriger Weg des Wiederaufbaus.
Der Typhus hielt in Málaga in den Jahren von 1941 bis 1943 Einzug und befiel nicht die gesamte Bevölkerung Málagas zu gleichen Teilen. Was das Geschlecht betrifft, griff er die Männer stärker an, und hinsichtlich des Alters, eher die 30- bis und 59jährigen.
Ab den fünfziger Jahren festigt sich im Gebiet von Málaga die Herausbildung einer dualen Wirtschaft: ein moderner und fortschrittlicher Sektor, der Tourismus, und ein traditioneller und rückständiger, die Landwirtschaft und die bäuerliche Welt. In diesen Jahren findet ein ungeordnetes Wachstum der Stadt statt. Es erfolgt eine städtische Expansion, die auf einer Städtebaupolitik der Toleranz basiert.
MÁLAGA ZWISCHEN DEM "DESARROLLISMO" UND DER KRISE. DAS ENDE DES FRANQUISMUS (1960-1975).
Bevölkerung und Wirtschaft
In dieser Zeit durchlebt das Land die Etappe des desarrollismo (staatliche Lenkung der Entwicklung), in der paradoxerweise ein Wachstum ohne Entwicklung stattfindet. Sie wird unterbrochen in den Jahren 1972 und 1973, mit dem Ausbruch der so genannten Ölkrise, und endet schließlich mit dem Tod Francos im Jahre 1975, der die transición democrática,den demokratischen Übergang einleitet.
In Málaga ist diese Phase der Geschichte durch die Anwesenheit zweier vorrangiger Aspekte geprägt. Einerseits ist dies die wirtschaftliche Rezession der Sechziger, nach dem Wachstum des vorangehenden Jahrzehnts, und anderseits die Konsolidierung des "demografischen Dualismus Málagas" durch den Gegensatz zwischen dem Prozess der Entvölkerung des Landesinneren und der intensiven Besiedlung des Küstenstreifens der Costa del Sol.
Der Aufschwung durch den Tourismus bewirkt ein erhebliches Bevölkerungswachstum an der Costa del Sol. Es wird eine Wirtschaftspolitik in Gang gesetzt, die darauf zielt, neben den Touristen auch ausländisches Kapital anzulocken.
Gesellschaft und Politik
Zwischen der Expansion der sechziger und der Krise zu Beginn der siebziger Jahre spielen sich entscheidende Veränderungen in der Realität Málagas ab. Einerseits wächst die Stadt in einem schwindelerregenden Rhythmus und auf ungeordnete Weise; andererseits wird die politische und gewerkschaftliche Aktivität der Opposition gegen die Regierung nach einer langen Zeit der Ruhe wieder aufgenommen. Daneben findet eine kulturelle Wiederbelebung von großem gesellschaftlichem Gewicht statt, die in der Gründung des Kulturvereins und der Universität ihren Ausdruck findet.
Vor diesem Hintergrund bricht Málaga zu einer neuen historischen Etappe der Demokratie auf.
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